Falsche IT-Strategie bei der elektronischen Gesundheitskarte

Der IT-Experte und Listenkandidat der Piratenpartei NRW zur Bundestagswahl, Jens Seipenbusch, sieht die Schuld des absehbaren teuren Debakels bei der elektronischen Gesundheitskarte vor allem beim Gesetzgeber und den Krankenkassen selbst.

Die deutschen gesetzlichen Krankenkassen hatten am 27.6. vor einem teuren Debakel bei der elektronischen Gesundheitskarte gewarnt und dafür vor allem die Kassenärzte verantwortlich gemacht.

Die Bedürfnisse von Ärzten und Patienten spielten bei der Gesundheitskarte allerdings von Beginn an immer nur eine völlig untergeordnete Rolle. So sind von den ursprünglich angepriesenen Funktionen inzwischen praktisch keine mehr übrig. Eine solch große Investition aus den Beitragsmitteln der Versicherten läßt sich derzeit überhaupt nicht rechtfertigen.
Zugleich sind die beständig angeführten Kritikpunkte an Sicherheit und Funktionalität der Karte größtenteils ignoriert worden. Tatsächlich bringt die Nutzung der Karte für Patienten und Ärzte im täglichen Betrieb zahlreiche Nachteile mit sich.

Zudem ist der Datenschutz der hochsensiblen Patientendaten auf die vorgesehene Weise der Umsetzung nicht zu gewährleisten, wie Datenschützer schon seit 2008 immer wieder kritisieren.

Da die Karte letztlich nur als Eintrittskarte für die zentrale Serverinfrastruktur mit den Versichertendaten dient, findet hier auch eine überflüssige und teure Parallelentwicklung zum elektronischen Personalausweis statt, die alleine der Chipkartenindustrie hilft.

Angesichts der offenen Fragen, empfehle ich den Patienten die Gesundheitskarte in dieser Form nicht zu unterstützen und zum Beispiel auch keine Fotos dafür bereit zu stellen. Die Bundesregierung muss hier schnellstens umsteuern, damit nicht noch mehr Geld der Beitragszahler verbrannt wird. Insbesondere beim Schutz der Patientendaten und der Alltagstauglichkeit der Karte kann es so nicht weitergehen.

Durch eine schlechte, politisch motivierte IT-Strategie droht sich dieses Projekt in eine lange Reihe gescheiterter bundesweiter IT-Grossprojekte in Deutschland einzureihen.
Deshalb fordere ich den Gesetzgeber auf, endlich eine patientenorientierte und datenschutztaugliche Neustrukturierung des Projekts ‚Elektronische Gesundheitskarte‘ durchzuführen.

28.06.2013

4 Kommentare

  1. 1

    Wie zum Geier hat man es nur geschafft, mit dieser »Krankheitskarte« ein gute Dreiviertel-Milliarde Euronen zu verpulvern?

  2. 2
    Wolf-Dietrich Trenner

    Nur gut, dass unser Sozialversicherungswesen zwar mit, aber nicht wesentlich von „IT-Experten“ bestimmt wird. Nur bei der Ärzte-Lobby liest man noch dümmere Argumentationen in dieser Sache.

  3. 3

    Zur Weiterbildung empfehle ich u.a. die Beiträge von Thomas Maus, s.z.B. unter https://wiki.uugrn.org/Elektronische_Gesundheitskarte

  4. 4

    […] ein Mehrwert der Umstellung ist jedoch bis heute nicht ersichtlich. So sollten mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte nicht nur Befunde und andere Informationen auf elektronischem Wege einfacher und […]

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