Isabelle Sandow berichtet über ein unheimliches Erlebnis mit ihrem Sozialversicherungsausweis

 

 

Isabelle Sandow, Listenkandidatin der Piratenpartei NRW für den Bundestag, hat mit ihrem Sozialversicheurngsausweis eine PRISMmäßige Erfahrung gemacht.

 

Vertrauen ist der Kleber, der unsere Geld und Rechtssysteme sowie die Gesellschaft zusammenhält. Ohne Vertrauen verliert unser Geld an Wert, die Gerichte werden machtlos und die Bürger würden sich im schlimmsten Fall selbst bekriegen. Nicht, dass es so etwas nicht bereits gibt, aber die Mehrheit hat anscheinend noch Vertrauen.

PRISM ist ein gigantischer Vertrauensbruch. PRISM ist die Internet-Vollüberwachung, die die USA offenbar schon seit längerem betreibt, und es ist scheinbar nur die Spitze des Eisberges.

Wenn ich Social Media Dienste wie Facebook oder Twitter benutze, vertraue ich darauf, dass die Daten die ich über diese Dienste sende, mir keinen persönlichen Schaden zu fügen. Natürlich bin ich dabei komplett selbst verantwortlich, wenn ich überhaupt irgendwo Daten hinterlasse. Wenn ich ein Android Smartphone besitze und mich mit meinem Google Account einlogge, vertraue ich darauf, dass Google sorgsam mit meinen Daten umgeht und sie nicht an Dritte weiter gibt, die Rückschlüsse auf meine Person ziehen könnten.

Ich, also ich ganz speziell, verstehe, dass meine Daten für die Analyse Gold wert sind und möchte selbst von dieser statistischen Goldgrube profitieren, in dem ich bessere Software von Google kostenlos bekomme.

So fotografierte ich letztens meinen Sozialversicherungsausweis mit meinem Smartphone, denn ich musste mir die Nummer merken. Prompt schaltete sich Google Goggles App (das scannt Bilder nach lesbaren Codes wie Strichcodes) ein und erzählte mir, es habe auf meinem Bild einen Sozialversicherungsausweis gefunden. Das hat mich so immens begeistert, dass es mir eiskalt den Rücken runter lief (Vorsicht, schon wieder dieser Sarkasmus). Denn es ist faktisch so, dass zur Erkennung von Mustern, die geschossenen Bilder vom Telefon aus schnell auf einen Server zur Analyse geladen werden, welcher dann in Windeseile ein Ergebnis liefert (bei Siri ist dies im übrigen genauso). Das heißt, das Bild meines Sozialversicherungsausweises ist schon mal irgendwo auf der Welt gelandet. Das Programm zur Analyse auf dem Server hat dann zusätzlich noch erkannt, dass es sich um einen Sozialversicherungsausweis handelt.

Was der Server, und davon kann man dank des Whistleblowing von Edward Snowden leider ausgehen, zusätzlich tun kann, ist in einer Datenbank vermerken, dass zu Isabelle Sandow ein Sozialversicherungsausweis gefunden wurde. Die Nummer wurde höchstwahrscheinlich sowieso ausgelesen. Das heißt, die Daten wurden bereits verarbeitet, es wurde erkannt, dass ein wichtiges Dokument gefunden wurde, und ja eigentlich müsste an dieser Stelle die Verbindung zu mir getrennt werden, zumindest die Verbindung zu meiner Person müsste fehlen. Wird sie wohl aber nicht.

Sollte ich mich dann einmal in Gesetze verwickeln, Gesetze einer Regierung, der ich nicht vertraue, ist genau das passiert, was ich oben beschrieben habe. Meine Daten haben mir selbst Schaden zugefügt.

Es ist ja nicht so, als würde ich den Nutzen des Internet und der Technik nicht erkennen. Wir könnten alle zu neuen Horizonten aufbrechen, mit dem Fortschritt an den Fingerspitzen. Die Piratenpartei ist und bleibt die einzige Partei, die dies erkannt hat und die begreift, das wir an einer immensen Schwelle stehen. Durch die symbiotische Vernetzung von Natur und Technik könnte die Wirtschaft boomen, wenn uns ein paar wenige nicht ständig im Weg rumstehen würden. Und das Schlimme ist ja, selbst die würden ein riesiges Stück Kuchen abbekommen.

Nicht, dass ich Angst vor der Regierung der Bundesrepublik Deutschland hätte, aber wie sicher würde sich ein Herr Erdogan dieser Tage fühlen, wenn auch er die Möglichkeit zur Bürgerspionage hätte? Gläserner Bürger? Nein. Gläserner Staat. Transparent und nachvollziehbar.

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