Isabelle Sandow fragt: Was ist so schwer an Gleichstellung?

 

Isabelle Sandow, Listenkandidatin der Piratenpartei NRW für den Bundestag, kann die Befindlichkeiten zur Gleichstellung nicht so recht nachvollziehen:

 

 

Nun hat die Regierung dann doch endlich entschieden, das Thema „Gleichstellung“ in den Bundestag zu holen, um das Ehegattensplitting für gleichgeschlechtliche Paare zu beschließen. Ein Erfolg könnte man meinen.

Leider täuscht diese doch eigentlich positive Entwicklung darüber hinweg, dass dieser Entscheid – mal wieder – erst durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 6.6.2013 auf dem Tisch der Regierung landete. Jenes Urteil hat die bisherige Regelung aufgrund von Mangel an gewichtigen Sachgründen für eine Ungleichbehandlung rückwirkend bis 2001 für ungültig erklärt.

Wie absurd dieser rechtliche Flickenteppich ist, der stets aufs Neue vom Bundesverfassungsgericht angemahnt wird, zeigt sich besonders deutlich darin, das Alleinerziehende, bei denen es sich nicht um die Frage der Partnerschaft dreht, wieder einmal leer ausgehen. Das ist interessant, denn die Unterscheidung zwischen Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft beruhte lange darauf, dass man angeblich den Nachwuchs fördern wolle. Die Piraten fordern im Übrigen genau dies.

Gefördert wird der Nachwuchs aber nicht, sondern die Partnerschaft. Und trotzdem macht man eine unnötige Unterscheidung, die regelmässig mit der Verfassung und den Menschenrechten bricht. Warum macht man dann überhaupt noch eine Unterscheidung? Wieder werden die Kinder vorgeschoben und eine Adoption für gleichgeschlechtliche Paare nicht erlaubt. Was doch etwas lächerlich wirkt, da die Kinder bisher am wenigsten von den neuen Gesetzen zur Familienförderung profitieren. Aber was soll man schon erwarten, wenn die CDU das Thema für so unwichtig hält, dass sie nur auf Mahnung des Bundesverfassungsgerichtes noch schnell vor der letzten Sommerpause aktiv wird und nicht mehr als nötig tut.

An dieser Stelle sei deutlich anzumerken, dass das BGE eine Lösung wäre, die auf der ganzen Bandbreite der Problematik ansetzt und nicht nur dort, wo vermeintliche Partikularinteressen den Wahlkampf der CDU behindern könnten. Genau so verhält sich die CDU im Übrigen beim Fracking, welches die Piratenpartei als einzige Partei zu 100% ablehnt. Vielen ist Fukushima offenbar schon viel zu lange her, als das erneuerbare Energien heutzutage noch von Interesse für sie wären.

Warum jedoch gibt es immer noch eine Aufteilung in Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft, wenn Kinder denn nun offenkundig nicht der maßgebliche Faktor sind?
Was soll dieses Understatement man müsse hier vermeintlich eine Art Qualität der Liebe werten indem man einigen verweigert, eine Ehe schließen zu dürfen? Selbst wenn man es täte, die Qualität der Liebe geht einzig und allein die liebenden selbst etwas an. Wenn es um Adoption geht mag das noch etwas anderes sein.

Gräbt man jedoch auch dort etwas tiefer, stellt sich die Frage: Wer spricht den Paaren denn ab, ebenso gute oder gar bessere Eltern sein zu können, als es die monogamen heterosexuellen Pärchen sein sollen?
Wer erhebt sich dort und erlaubt sich ein Urteil? Der Gott der Nächstenliebe?
Es ist einzig und allein die Angst die hier aus den unaufgeklärten Leuten spricht. Angst vor dem Unbekannten. Dem wo man sich selbst nie hin getraut hat, aus Prinzip nicht, weil man ja überall hört, dass das was ganz Schlimmes sein soll. Und man will sich ja bei den Nachbarn nicht blamieren (die einem sonst zwar scheißegal sind, es sei denn so was kommt bei denen mal raus……(vorsicht Sarkasmus))

Nur um es nochmal klar zu sagen, niemand soll gezwungen werden, seine eigene Sexualität in Frage zu stellen, aber will man ernsthaft diejenigen, die es wollen, davon abhalten, obwohl man selbst absolut Null Ahnung davon hat?

Es ist jetzt wichtig, das wir alle den Schritt gehen, uns selbst die Freiheit zu geben, zu lieben wie wir wollen. Es geht hier immerhin nicht um Besitztümer, Geld oder Macht, nein, es geht um die Liebe. So schnulzig das klingen mag umso ernster ist es wenn man einmal nach Moskau schaut.

In Moskau werden seit wenigen Tagen Menschen gejagt und verletzt, weil sie auch einander lieben wollen. Wo ist da die gewünschte Christlichkeit und Nächstenliebe? Unterstützt der Vatikan so etwas auch? Immerhin hält dieser zumindest in Deutschland einen Grossteil der ideellen Markenrechte an der Institution Ehe. Womit wir zu dem Punkt kommen, dass es Menschen gibt, die nicht einmal mehr eine Ehe schliessen wollen, sondern eine eigetragene Lebenspartnerschaft. Ja und überhaupt, was ist mit den ganzen Beziehungsformen die es sonst noch so gibt? Ist man wirklich so versessen darauf, eine Monopolstellung der korrekten Beziehungsform inne zu haben? Wenn ja, mit welchem Recht? Weil man Angst hat?

Man muss doch kein Atomphysiker sein oder Gender Studies studieren, um hier eine gigantische Ungerechtigkeit feststellen zu können, die noch dazu auf Ängsten basiert.

Die Piratenpartei fordert daher unter anderem, die vollständinge rechtliche Gleichstellung von Ehe und eigetragener Lebenspartnerschaft.

Das heisst, sowohl gleichgeschlechtliche, als auch heterosexuelle Paare sollen selbst wählen können, ob eine Ehe oder eine eingetragene Partnerschaft für sie in Frage kommt.

Und dies ist nur der erste Schritt in einem langen Prozess in Richtung Freiheit.

Ein Kommentar

  1. 1

    Volle Unterstützung.

    Und zum Thema „christlich“ – entweder christlich sein/leben, oder das Wort übermalen wo man es antrifft. 😉

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