Das Verständnis der katholischen Kirche wird der existierenden Vielfalt der Gesellschaft nicht gerecht

Das neue Familienbild der evangelischen Kirche begrüße ich außerordentlich. Wie die Piraten möchte auch sie „Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ und nähert sich damit den Vorhaben aus dem Wahlprogramm der Piratenpartei an. Ich fordere die katholische Kirche auf nachzuziehen.

‚Ehe‘ und ‚Familie‘ hat auch für mich als verheirater Vater einen besonderen Stellenwert. Es ist anzuerkennen, dass Familie sich nicht nur am Knotenpunkt Ehe abspielt. Mit den kirchlichen Vertretern teile ich die Auffassung, dass das Ritual Eheschließung eine stabilisierende Funktion für eine Gesellschaft haben kann. Aus diesem Grund und der Anerkennung des Prinzips der freien Selbstbestimung über Angelegenheiten des persönlichen Lebens trete ich mit der Piratenpartei für eine zeitgemäße und gerechte Familienpolitk ein. Wir wollen, dass Politik der existierenden Vielfalt gerecht wird. Was mich trennt von der katholischen Auffassung und deren parteipolitischen Vertretern ist die Einsicht, dass sich die inhaltliche Ausgestaltung von Ehe und Familie in der realen Welt verändert hat.

Grundsätzlich finde ich auch an dieser Stelle eine kontroverse Diskussion förderlich. Auch wenn ich die Standpunkte, zum Beispiel gegen gleichgeschlechtliche Ehe, nicht teile, kann ich deren subjektives Empfinden in Teilen nachvollziehen. Allerdings ist es schon ein Hohn, wenn Politiker von CDU und CSU mit Ankündigung keine gesetzliche Gleichberechtigung schaffen wollen und damit nur die nächste Klatsche vom Bundesverfassungsgericht provozieren.

Ich verstehe nicht, dass von Gegnern eines modernen Familienbildes nicht eine pragmatische Sichtweise eingenommen wird. Bedenken wir zum Beispiel mal, dass es zahlreiche kirchliche Träger von Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen gibt. Ich möchte an dieser Stelle auch nicht unerwähnt lassen, dass es dabei schon genügend Probleme, bezüglich Arbeitsrecht und Wahlfreiheit der Eltern, gibt (vergleiche dazu auch die Anfrage der Piratenfraktion im Landtag NRW zu wohnortnahen Grundschulen). Als Kommunalpolitiker bin ich geradezu im Dilemma, verstärkt durch den Druck des kommenden U3-Rechtsanspruches, entscheiden zu müssen, wer die Trägerschaft von neuen Kitas übernehmen soll. Die Erzieherinnen und Erzieher kennen die Familienverhältnisse ihrer Schützlinge hautnah, sie werden sicherlich nicht von ihnen diskriminiert, egal in welcher Familienform sie aufwachsen.

Aus der Presse ist zu entnehmen, dass Katholiken das modernisierte evangelische Familienbild kritisierten. Ich glaube, dass sich damit die katholischen Interessenvertreter weit von einem Verständnis einer katholischen Mehrheit entfernt. Ich wünsche mir, dass sich mehr Menschen, insbesondere die Arbeitgeber von kirchlichen Bildungs- und Sozialeinrichtungen sowie Bundesabgeordnete, davon eine Scheibe abschneiden und sich der Lebenswirklichkeit annähern.

gez. Pascal Powroznik
verheiratet mit Kind
29 Jahre alt
Mitglied im Rat der Stadt Münster

2 Kommentare

  1. 1

    Hi pakki! Ehrlich gesagt, ich find die Idee Mist. Die Kirchen und überhaupt alle Wertgemeinschaften sollen sich selbst treu bleiben. Es wäre falsch für eine Gruppe die sich auf ein seltsames höheres Wesen beruft, sich den Strömungen ihrer Zeit zu beugen. Das hieße zwar, ein ständiger Anachonismus zu bleiben und dem gesunden Menschenverstand und den grundlegenden Freiheiten zu widersprechen – aber das tun die Abrahamitischen Religionen nun mal! Diesen Riss kann man nur vorläufig kaschieren. In Zukunft wird das Christentum und der Islam sich entweder von ihren eigenen Grundsätzen distanzieren und dann … irgendwas sein… oder auf der Strecke bleiben und zugunsten von anderen, moderneren Ansichten wie Atheismus, neutraler Monotheismus oder symbolischen Religionen verschwinden.

  2. 2

    Münsteraner Ratsherr fordert die kath. Kirche ultimativ auf, ein neues Familienbild anzunehmen. Wie man hört, soll diese Nachricht im Vatikan wie eine Bombe eingeschlagen sein ! Der Papst hat die Kardinäle zu einem Konklave einberufen.

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