Thomas Weijers über Missbrauch von Patientendaten

Missbrauch von Patientendaten – Oder auch Verbot von Medikamentenwerbung?
Am Samstag, sprach ich an einem Infostand in der Gladbecker Innenstadt mit einem Bürger über Datenschutz. Am Anfang noch glaubte der Herr und seine Familie, dass dies ein ein Thema ist, dass nicht auf viele Bereicht übertragbar sein. Nur durch Zufall nahm ich die Gesundheitspolitik, die elektronische Gesundheitskarte oder die gängige Praxis zur Übermittlung von Daten auf, ohne ein konkretes Beispiel für Skandale zu nennen.
Nur einen Tag später kann ich mich der Tagespresse bedienen und einen der größten Datenskandale der Nachkriegszeit in der Gesundheitspolitik zitieren.
Laut dem Magazin „Der Spiegel“ wurden Daten von Rechenzentren, die sie von Apotheken erhalten, unzureichend verschlüsselt und an Pharmaunternehmen zu Marktforschungszwecken verkauft. So schlecht verschlüsselt, dass die Pharmaunternehmen die wahre Identität der Patienten und der Hausärzte erkennen können und die gesamte Krankheitsgeschichte erstellen können.
Dies alles zum Zwecke der Marktforschung?
Laut geltendem Recht ist dies erlaubt, Patientendaten dürfen zu solchen Zwecken, wenn sie verschlüsselt sind weiter gegeben werden. Auch die Apotheken tragen keine Schuld, da sie zwangsläufig zur Abrechnung ihre Rezepte bei den Krankenkassen, an Rechenzentren herantreten müssen.
Die Weitläufigkeit der möglichen Konsequenzen dieses Striptease unserer Krankengeschichten ist enorm. Wenn Pharmaunternehmen diese Daten kaufen können – mit unseren Namen, Adressen und Krankheiten – können diese Daten auch unseren Arbeitgebern angeboten werden.
Unwahrscheinlich? Eher nicht. Für Großunternehmen lohnt es sich zu wissen, wer von uns Diabetes hat, Bluthochdruck, Rückenschmerzen oder anfängliche Krebsleiden. Unser Chef weiß dann, dass wir später oft ausfallen können und so landet man schnell auf der nächsten Personalkürzungsliste. Eine  Abfindung kann sich für ein Unternehmen immer noch mehr lohnen, als einen kranken Mitarbeiter jahrelang zu halten. Auch bei der Einstellung von Azubis oder neuem Personal, kann schnell hinterleuchtet werden ob es erblich bedingte Krankheiten in der Familie vorhanden sind und ein finanzielles Risiko für die Firma besteht.
Diese Vorstellungen sind leider keine Dystopie, und im Angesicht dieser Probleme bedarf es auch noch einmal einer grundlegenden Diskussion über die elektronische Gesundheitskarte und die Speicherform unserer Daten.
Es muss auch die Frage erlaubt sein, wofür benötigen wir Marktforschung im Markt der Medikamente? Grundlage zum Verkauf der Medikamente darf nur die bewiesene Wirksamkeit der Inhaltsstoffe, nicht aber der besonders gute Werbeslogan sein. Ich halte es für unnötig, dass Pharmaunternehmen Marktanalysen dieser Form durchführen können, um Zielgruppen zu identifizieren, Hausarztverschreibungen zu kontrollieren und ihren Einfluss gezielter einsetzen zu können.
Brauchen wir nicht vielleicht sogar ein aktives Werbeverbot für Medikamente? Ähnlich dem dem das in der Tabakwirtschaft herrscht, den unterschiedlichen Zahlen zur Folge leiden mindestens 1,5 Millionen Deutsche unter einen Medikamentensucht.
Niemand außer meinem Hausarzt, meiner Krankenversicherung und mir sollte wissen dürfen, welche Krankheiten mich plagen.
Ich für meinen Teil stehe für die Abschaffung der gesetzlichen Möglichkeiten, die es erlauben, unsere Daten an die Pharmafirmen weiterzuleiten und sie für Marktforschungsprozesse zu nutzen. Das ist eine wesentliche Konsequenz, die aus diesem Skandal zu ziehen ist.

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